Agenda Setting bezeichnet einen der einflussreichsten Befunde der Medienwirkungsforschung: Medien bestimmen zwar nicht direkt, was Menschen denken, wohl aber worüber sie nachdenken. Themen, die in Nachrichtenmedien prominent und wiederholt behandelt werden, nehmen Rezipient:innen als gesellschaftlich wichtiger wahr – unabhängig davon, ob diese Einschätzung der tatsächlichen Relevanz entspricht. Das Konzept wurde maßgeblich von Maxwell McCombs und Donald Shaw in den 1970er Jahren entwickelt und seither vielfach empirisch bestätigt und weiterentwickelt. In der digitalen Medienwelt verschiebt sich Agenda Setting zunehmend: Nicht mehr nur Redaktionen, sondern auch Algorithmen, Influencer:innen und koordinierte Nutzergruppen können bestimmen, welche Themen öffentliche Aufmerksamkeit erhalten und welche nicht. Beispiel: Wenn eine Vielzahl von Nachrichtenmedien über Wochen intensiv über das Thema Wohnungsnot berichtet, stufen Befragte in repräsentativen Umfragen dieses Thema regelmäßig als eines der drängendsten gesellschaftlichen Probleme ein – unabhängig davon, ob sich die objektive Lage verändert hat oder ob andere Themen faktisch dringlicher wären. Andere Themen, die vielleicht auch wichtig sind, können hingegen medial weitgehend unsichtbar bleiben.
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